̈Öfters mal abschalten
In der Schule und Zuhause lässt sich viel Energie sparen. Wie man sorgsam mit den ressourcen umgeht, lernten die schüler der Berufswahlklasse in Oberwil.
Halogenlampe, Glühbirne, Energiesparlampe oder LED – welche verbraucht am wenigsten Energie? Die 16 Jugendlichen aus der Berufs- wahlklasse der Sekundarschule Oberwil messen Stromverbrauch sowie Lichtausbeute jeder Lam- pe. Mit Hilfe von Moritz Kulawik wollen sie her- ausfinden, welches Leuchtmittel besonders effizi- ent strahlt. Kulawik gehört zum Team von Energie Zukunft Schweiz, das im Rahmen des Angebots Linie-e Führungen und Schulmodule durchführt. An diesem Vormittag will er die 15- bis 17-Jähri- gen in Oberwil für das Thema Energieeffizienz sensibilisieren. In der ersten Übung stellen die Schüler fest, dass eine LED-Lampe bei kleinstem Stromverbrauch eine vielfach grössere Lichtaus- beute erzielt als eine Glühbirne. Doch im Haus- halt gibt es noch ganz andere Stromfresser als alte Lampen: Playstation, DVD-Player, Computer, Stereo-Anlage, W-LAN. «Alle Geräte mit Stand- by-Modus verbrauchen in diesem halb abge- schalteten Zustand unnötig Energie», sagt Moritz Kulawik. Das können manche nicht so recht glauben – immerhin fühlt sich der Laptop im
Stand-by kalt an. Doch der Linie-e-Guide liefert Fakten: Zwar sei der Verbrauch einzelner Geräte im Bereitschaftsbetrieb tatsächlich viel kleiner als bei der aktiven Benutzung. Da aber in jedem Haushalt unzählige Geräte viele Stunden auf Stand-by geschaltet sind, beläuft sich deren Ver- brauch auf beachtliche zehn Prozent des privaten Energiebedarfs. Kulawik fordert die Jugendlichen auf, zuhause nachzuschauen und Steckleisten mit Schalter zu installieren, mit denen Geräte vollständig vom Stromkreislauf abgekoppelt wer- den können: «Eure Eltern sparen so auch Geld.»
Lüften und fliegen
Gruppenweise widmen sich die Schüler an- schliessend verschiedenen Energiethemen. Die Licht-Gruppe soll im Schulhaus untersuchen, ob irgendwo unnötige Beleuchtung eingeschaltet ist. Die Jungen schlagen vor, auf dem Flur und im WC Bewegungsmelder zu installieren, statt das Licht permanent brennen zu lassen. Verbesse- rungspotenzial ist auch bei der Heizung auszu- machen. In allen Räumen ist es wärmer als nötig
Iim Klassenzimmer beispielsweise werden 23 statt 20 Grad gemessen, auf dem Gang ist es ku- schelige 20 statt den notwendigen 15 Grad warm. Die Wärme-Gruppe empfiehlt somit, die Heizung herunterzudrehen. Denn jedes Grad we- niger senkt den Heizölverbrauch um sechs Pro- zent. Ein weiterer Tipp: Räume kurz und kräftig mit weit geöffneten Fenstern lüften. Komplizier- ter ist der Fall bei der grauen Energie, die bei Her- stellung, Transport und Entsorgung sämtlicher Produkte anfällt. Um den Verbrauch möglichst tief zu halten, raten die vier Jugendlichen ihren Kollegen, lokale Produkte einzukaufen. Ausser- dem plädieren sie dafür, beim Einkauf verwertba- re Verpackungen zu bevorzugen. Eine weitere Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Mobili- tät. Auf den Verkehr entfallen immerhin 35 Pro- zent des gesamten Energieverbrauchs. «Man müsste auf kurze Fahrten verzichten», findet die Gruppe. Doch ein Tipp passt nicht allen: Wie soll man in die Ferien kommen, wenn energieintensi- ve Flugreisen tabu sind? Mit dem Velo oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, meint ein Kollege. Der Vormittag ist zwar schnell vorbei, doch die
Die Schüler befragen Passanten zu ihrem persönlichen Energieverbrauch.
gewonnenen Erkenntnisse bleiben im Klassen- zimmer: Eine Pinwand erinnert die frisch gebackenen Energiecracks künftig an ihre eigenen Energiespartipps.
Geschrieben von Annett Altvater
